{"id":64352,"date":"2026-11-02T16:29:29","date_gmt":"2026-11-02T20:29:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.cambridgeassociates.com\/?p=64352"},"modified":"2026-11-02T16:29:29","modified_gmt":"2026-11-02T20:29:29","slug":"portfolio-architekten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.cambridgeassociates.com\/de\/insight\/portfolio-architekten\/","title":{"rendered":"Portfolio-Architekten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Insitutional Money<\/strong> Interview, Alex Koriath und Christoph Gort &#8211; 2026<\/p>\n<p>Zu viel Kapital trifft auf zu wenige gute Deals, warnen Alex Koriath und Christoph Gort von Cambridge Associates im Interview. Sie ordnen die Preisdynamik bei Buy-outs und Private Credit ein, erkl\u00e4ren, warum sie die US-Softwareschw\u00e4che f\u00fcr eine gesunde Korrektur halten, und benennen die gr\u00f6\u00dften untersch\u00e4tzten Risiken f\u00fcr institutionelle Investoren in den kommenden zw\u00f6lf Monaten.<\/p>\n<p><strong><em>GEOPOLITISCHE<\/em><\/strong> <strong><em>UNSICHERHEIT<\/em><\/strong>,<\/p>\n<p>steigende Zinsen und der KI-Boom pr\u00e4-gen laut Alex Koriath und Christoph Gort von Cambridge Associates das Private-Mar-kets-Umfeld 2026 wie kaum ein Jahrzehnt zuvor. Im Interview erl\u00e4utern die beiden Experten, weshalb sie der \u00d6ffnung illiqui-der Anlagen f\u00fcr Privatanleger skeptisch gegen\u00fcberstehen, warum semiliquide Fondsstrukturen ihr Liquidit\u00e4tsverspre-chen im Ernstfall kaum halten k\u00f6nnen und worauf Investoren bei Continuation Funds sowie bei NAV-basierten Finanzie-rungen ganz genau achten sollten.<\/p>\n<p><strong><em>Cambridge<\/em> <em>Associates<\/em> <em>ber\u00e4t<\/em> <em>seit<\/em> <em>\u00fcber <\/em><em>50 Jahren zu<\/em> <em>Private Markets. Wie unterscheidet<\/em> <em>sich<\/em> <em>das<\/em> <em>aktuelle<\/em> <em>Markt-<\/em><em>umfeld<\/em> <em>2026<\/em> <em>von<\/em> <em>fr\u00fcheren<\/em> <em>Zyklen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath<\/em><\/strong><strong><em>:<\/em><\/strong> Wir kommen aus einer langen Niedrigzinsphase, hatten 2021 einen Bewertungs-Peak und danach eine Korrek-tur, wenn auch keinen Reset wie 2008. Heute pr\u00e4gen mehrere Kr\u00e4fte gleichzeitig den Markt: steigende Zinsen, die Strategien ver\u00e4ndern, eine geopolitische Unsicherheit, die gr\u00f6\u00dfer ist als in den vergangenen 20 Jahren, strukturelle Verschiebungen durch mehr Kapitalzugang f\u00fcr Private Markets und schlie\u00dflich das Thema k\u00fcnstliche Intel-ligenz, das vonder Investorenselektion bis zu Milliardeninvestitionen in Rechenzentren alles durchdringt. Insgesamt also ein kom-plexes Umfeld mit vielen Chancen, aber auch klaren Risiken, die es zu navigieren gilt.<\/p>\n<p><strong><em>Bringt die oft als Demokratisierung bezeichnete<\/em><\/strong><strong><em> Retailisierung der Private Markets eine unn\u00f6tige Unruhe, die ver-meidbar gewesen w\u00e4re?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath: <\/em><\/strong>Wir arbeiten ausschlie\u00df-lich mit institutionellen Investoren, und ich habe pers\u00f6nlich eine gewisse Skepsis gegen\u00fcberderRetailisierung.Private-Markets-Investments sind komplex: Kapitalabrufe, m\u00f6gliche Laufzeitverl\u00e4ngerungen, rechtliche Feinheiten, all daserfordert Governanceund Beratung. Jekleinteiliger maninvestiert, desto teurerwirdes, weil Intermedi\u00e4reeingeschaltet werden m\u00fcssen, die selbst gewinnorientiert arbeiten. Wer als Privatanleger drei bis f\u00fcnf Prozent Rendite erwartet, sollte realistischer-weiseetwaswenigereinkalkulieren \u2013 schlicht weil jemand f\u00fcr die kleinteilige Umsetzung bezahlt werden will.<\/p>\n<p><strong><em>Christoph Gort<\/em><\/strong><strong><em>:<\/em><\/strong> Der Wunsch, ein breiteres Publikum zu bedienen, ist grund-s\u00e4tzlich richtig. Ich glaube nicht, dass Private Marketsausschlie\u00dflich institutionellen Anle-gern vorbehalten sein sollten. Das Problem beginnt dort, wo man versucht, Illiquidit\u00e4t mit Strukturen zu kaschieren, die nur funk-tionieren, solangeanden M\u00e4rktendie Sonne scheint. Institutionelle Investoren sind damit besser vertraut, weil sie Erfahrung, Gover-nance und den passenden Zeithorizont mitbringen. F\u00fcr breitere Anlegerschich-ten liegt die L\u00f6sung in mehr Transparenz, Aufkl\u00e4rung und einer ehrlichen Analyse der Anreizstrukturen bei Vertriebspartnern.<\/p>\n<p><strong><em>Sie<\/em><\/strong> <strong><em>haben<\/em><\/strong> <strong><em>von<\/em><\/strong> <strong><em>\u201ezu<\/em><\/strong> <strong><em>viel<\/em><\/strong> <strong><em>Konkurrenz<\/em><\/strong> <strong><em>um <\/em><\/strong><strong><em>die<\/em><\/strong> <strong><em>gleichen<\/em><\/strong> <strong><em>Deals\u201c<\/em><\/strong> <strong><em>gesprochen,<\/em><\/strong> <strong><em>Herr <\/em><\/strong><strong><em>Koriath.<\/em><\/strong> <strong><em>Wie<\/em><\/strong> <strong><em>\u00e4u\u00dfert<\/em><\/strong> <strong><em>sich<\/em><\/strong> <strong><em>das<\/em><\/strong> <strong><em>im<\/em><\/strong> <strong><em>Invest-<\/em><\/strong><strong><em>mentalltag<\/em><\/strong> <strong><em>Ihrer<\/em><\/strong> <strong><em>Kunden?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath: <\/em><\/strong>Wenn zu viel Kapital auf zu wenige Deals trifft, werden diese teurer eingekauft. Das sehen wir sowohl bei Large Cap Private Equity als auch im Pri-vate-Credit-Bereich. Es betrifft auch Fonds mit hohem Retailanteil. Diese m\u00fcssen quar-talsweise investieren, was Kaufdruck erzeugt und die Preise antreibt. Ein zu hoher Ein-stiegspreis dr\u00fcckt sp\u00e4ter die Rendite. Unser Mehrwert besteht darin, genau zu identifi-zieren, wo im Universum noch attraktive Opportunit\u00e4ten bestehen. Deshalb sind wir bewusst eher im Lower- und Mid-Market unterwegs, wohin bislang weniger Kapital geflossen ist.<\/p>\n<p><strong><em>Wo<\/em><\/strong> <strong><em>sehen<\/em><\/strong> <strong><em>Sie<\/em><\/strong> <strong><em>die<\/em><\/strong> <strong><em>gr\u00f6\u00dften<\/em><\/strong> <strong><em>strukturellen <\/em><\/strong><strong><em>Verschiebungen<\/em><\/strong><strong><em> im Private-Markets-Universum der vergangenen Jahre?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em> Christoph Gort: <\/em><\/strong>Private Credit erf\u00fcllt volkswirtschaftlich eine wichtige Funktion: Kreditversorgung dort, wo Banken aus regu-latorischen Gr\u00fcnden nicht mehr aktiv sein k\u00f6nnen oder wollen oder wo Schuldner schlicht zu klein f\u00fcr eine Anleihenemission sind. \u00c4hnliches gilt in der Versicherungsin-dustrie, woder Kapitalmarkt als Risikotr\u00e4ger einspringt, weil keine einzelne R\u00fcckversi-cherung allein gro\u00dfe Naturkatastrophen abdecken k\u00f6nnte. Der Private-Credit-Markt liegt heute weltweit bei rund zwei Billio-nen Dollar und ist damit gr\u00f6\u00dfer als der High-Yield-Bond-Markt. Die eigentliche strukturelle Entwicklung ist, dass der Markt heute deutlich heterogener ist als fr\u00fcher. Die Assetklasse hat sich stark ausdifferenziert, sodass Pauschalurteile \u00fcber \u201ePrivate Credit\u201c kaum noch m\u00f6glich sind. F\u00fcr Investoren hei\u00dft das: genau pr\u00fcfen, welche Anlageform zum eigenen Risikoprofil passt.<\/p>\n<p><strong><em>Woher kommt eigentlich das starke Wachstum<\/em><\/strong> <strong><em>von<\/em><\/strong> <strong><em>Private<\/em><\/strong> <strong><em>Credit?<\/em><\/strong> <strong><em>Ein<\/em><\/strong> <strong><em>Ver-<\/em><\/strong><strong><em>dienst<\/em><\/strong> <strong><em>des<\/em><\/strong> <strong><em>Marktes<\/em><\/strong> <strong><em>oder<\/em><\/strong> <strong><em>eine<\/em><\/strong> <strong><em>Folge<\/em><\/strong> <strong><em>der <\/em><\/strong><strong><em>Regulierung?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Christoph Gort: <\/em><\/strong> Vor der Finanz-krise hatten gro\u00dfe Banken auf dem H\u00f6hepunkt Leverage Ratios von fast 100. 100 Dollar Kreditvolumen waren mit 99 Dollar Fremdkapital finanziert. Nach der Krise versch\u00e4rften Regulatoren zu Recht die Eigenkapitalanforderungen, insbeson-dere f\u00fcr risikoreichere Kredite. F\u00fcr Banken wurde die Vergabe von Sub-Investment-Grade-Krediten dadurch unattraktiver \u2013 nicht weil die Schuldner schlechter wur-den, sondern weil die Kapitalunterlegung teurer wurde. Diese Bankendisintermedia-tion war der eigentliche Startschuss f\u00fcr das Wachstum von Private Credit. Volkswirt-schaftlich ist das zu begr\u00fc\u00dfen, weil jemand die entstandene L\u00fccke bei der Kreditversor-gung kleinerer Unternehmen f\u00fcllt.<\/p>\n<p><strong><em>Wieernstistdie<\/em><\/strong> <strong><em>viel<\/em><\/strong> <strong><em>diskutierte<\/em><\/strong> <strong><em>Private-<\/em><\/strong><strong><em>Credit-Krise<\/em><\/strong> <strong><em>in<\/em><\/strong> <strong><em>den<\/em><\/strong> <strong><em>USA<\/em><\/strong> <strong><em>tats\u00e4chlich? <\/em><\/strong><strong><em>CHRISTOPH GORT:<\/em><\/strong> Im Vordergrund steht klar der Softwaresektor, der im Pri-vate-Credit-Marktmitetwa 20 bis 30 Prozent deutlich st\u00e4rker vertreten ist als im High-Yield-Bondmarkt mit rund f\u00fcnf Prozent oder bei syndizierten Loans mit zehn bis 15 Prozent. Und Software steht durch die dynamische KI-Entwicklung unter Druck. Eine systemische Krise oder ein breiteres Problem in Private Credit sehen wir darin aber nicht. Die Loss Rates \u2013 also die Ausfall-raten unter Ber\u00fccksichtigung von Recovery Values \u2013 von privaten Krediten liegen laut gro\u00dfen Datenbanken in den letzten Jahren im Schnitt bei 1,2 bis 1,5 Prozent, und die reinen Ausfallraten von syndizierten Loans laut J.P. Morgan aktuell eher bei drei bis \u00fcber vier Prozent f\u00fcr die vergangenen zwei bis drei Quartale. Ohne Risiko g\u00e4be es auch keine Pr\u00e4mie. Einzelne idiosynkratische Probleme wird es in dieser Anlageklasse immer geben, das ist Teil ihrer Natur und keine Krise.<\/p>\n<p><strong><em>Ist<\/em><\/strong> <strong><em>die<\/em><\/strong> <strong><em>Softwareschw\u00e4che<\/em><\/strong> <strong><em>also<\/em><\/strong> <strong><em>eher <\/em><\/strong><strong><em>eine<\/em><\/strong> <strong><em>notwendige<\/em><\/strong> <strong><em>Korrektur<\/em><\/strong> <strong><em>als<\/em><\/strong> <strong><em>ein <\/em><\/strong><strong><em>Warnsignal?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath: <\/em><\/strong>Genau. Vor dem KI-Hype war Software-as-a-Service das hei\u00dfeste Thema \u00fcberhaupt \u2013 mit Bewer-tungen, die kaum noch rational waren. Die Bewertungen mancher Fondsmana-ger waren schlicht nicht nachvollziehbar. Was wir jetzt sehen, ist eine nat\u00fcrliche Korrektur dieser Exzesse. Unternehmen werden ihre kritischen Gesch\u00e4ftsprozesse nicht einfach einer Blackbox \u00fcberlassen, deren Funktionsweise sie nicht verstehen und der sie sensible Kundendaten anver-trauen m\u00fcssten. Daf\u00fcr braucht es weiterhin klar strukturierte, gepflegte Software mit einem Team, das sie kontinuierlich weiter-entwickelt und wartet. Kritische Software wird also nachgefragt bleiben, nur die \u00dcbertreibung der vergangenen Jahre wird gerade bereinigt.<\/p>\n<p><strong><em>Droht<\/em><\/strong> <strong><em>eine<\/em><\/strong> <strong><em>systemische<\/em><\/strong> <strong><em>Ansteckungs-<\/em><\/strong><strong><em>gefahr<\/em><\/strong> <strong><em>zwischen<\/em><\/strong> <strong><em>Private<\/em><\/strong> <strong><em>Credit<\/em><\/strong> <strong><em>und <\/em><\/strong><strong><em>dem<\/em><\/strong> <strong><em>Bankensektor?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Christoph Gort: <\/em><\/strong>Die Fundamental-daten sprechen dagegen. Gro\u00dfe Banken hatten kurz vor der Finanzkrise im Schnitt einen Leverage-Faktor von rund 50, teil-weise auch deutlich mehr. Heute liegen die gr\u00f6\u00dften Banken weltweit bei zehn bis 20, im Private-Debt-Bereich sind es im Schnittunter 1,5. Der Leverage ist also um den Faktor f\u00fcnf geringer, die Kredite sind ent-sprechend besser unterlegt. Zudem ist selbst der gr\u00f6\u00dfte Private-Debt-Fonds im globalen Finanzsystem ein Tropfen auf dem hei\u00dfen Stein. Ein kausales Risiko f\u00fcr das Banken-system sehe ich nicht, wohl aber eine grunds\u00e4tzliche Fragilit\u00e4t des Gesamtsys-tems durch hohe Staatsverschuldung und geopolitische Spannungen, die mir deutlich mehr Sorgen macht.<\/p>\n<p><strong><em>Christoph Gort:<\/em><\/strong> Man muss zwi-schen der grunds\u00e4tzlichen Fragilit\u00e4t des Finanzsystems und einzelnen Ausl\u00f6sern unterscheiden. Ein Sandhaufen wird irgend-wann instabil, wenn er zu hoch und zu schmal wird. Dann ist es fast beliebig, wel-ches einzelne Korn den Einsturz ausl\u00f6st. Ich glaube schlicht nicht, dass Private Debt vom Umfang und vom geringen Leverage her \u00fcberhaupt in der Lage w\u00e4re, kausal eine Finanzmarktkrise auszul\u00f6sen. Die eigentli-che Fragilit\u00e4t liegt in Staatsverschuldung und geopolitischen Spannungen, nicht darin, ob ein einzelner Private-Debt-Mana-ger Geld verliert.<\/p>\n<p><strong><em>Wie<\/em><\/strong> <strong><em>lange<\/em><\/strong> <strong><em>kann<\/em><\/strong> <strong><em>die<\/em><\/strong> <strong><em>aktuelle<\/em><\/strong> <strong><em>Exit-D\u00fcrre <\/em><\/strong><strong><em>bei<\/em><\/strong> <strong><em>Private<\/em><\/strong> <strong><em>Equity<\/em><\/strong> <strong><em>noch<\/em><\/strong> <strong><em>anhalten, bevor<\/em><\/strong> <strong><em>sie<\/em><\/strong> <strong><em>das<\/em><\/strong> <strong><em>Fundraising<\/em><\/strong> <strong><em>strukturell <\/em><\/strong><strong><em>besch\u00e4digt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath: <\/em><\/strong>Es gibt tats\u00e4chlich erste Anzeichen einer Verbesserung, sogenannte Green Shots am Horizont. Strukturelle Sch\u00e4den im Fundraising finde ich ehrlich gesagt nicht per se schlimm, wenn man zur\u00fcckblickt. In den vergangenen f\u00fcnf, sechs Jahren haben durchaus auch GPs Kapi-tal einsammeln k\u00f6nnen, die eigentlich gar kein Geld h\u00e4tten bekommen sollen. Dass diese Manager jetzt wieder aus dem Markt verschwinden, ist eine notwendige Bereini-gung, die etwas von der \u00dcbertreibung der vergangenen Boomjahre herausnimmt. Das ist am Ende gesund f\u00fcr die gesamte Anlageklasse und f\u00fcr die verbleibenden dis-ziplinierten Anbieter.<\/p>\n<p><strong><em>Continuation<\/em><\/strong> <strong><em>Funds<\/em><\/strong> <strong><em>gelten<\/em><\/strong> <strong><em>als<\/em><\/strong> <strong><em>Ventil <\/em><\/strong><strong><em>f\u00fcr<\/em><\/strong> <strong><em>fehlende<\/em><\/strong> <strong><em>Exits.<\/em><\/strong> <strong><em>Wo<\/em><\/strong> <strong><em>liegt<\/em><\/strong> <strong><em>f\u00fcr<\/em><\/strong> <strong><em>Sie<\/em><\/strong> <strong><em>die <\/em><\/strong><strong><em>Grenze<\/em><\/strong> <strong><em>zwischen<\/em><\/strong> <strong><em>Liquidit\u00e4tsl\u00f6sung<\/em><\/strong> <strong><em>und <\/em><\/strong><strong><em>Interessenkonflikt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath: <\/em><\/strong>Es ist zun\u00e4chst eine Liquidit\u00e4tsl\u00f6sung, die auch entstanden ist, weil klassische Exit-Kan\u00e4le seltener gewor-den sind. Das traditionelle IPO-Fenster war zuletzt eher klein. Aus Investorensicht muss man aber genau hinschauen. Man kann das Instrument nicht pauschal verteufeln oder guthei\u00dfen. Laut Marktuntersuchungen ent-scheiden sich rund 80 Prozent der Investoren in der Regel gegen einen Roll-over in ein Continuation Vehicle und nehmen stattdessen lieber die angebotene Liquidit\u00e4t mit. Das zeigt, wie skeptisch der Markt gegen\u00fcber diesen Konstruktionen selbst dann bleibt, wenn sie ihm angeboten werden.<\/p>\n<p><strong><em>Reichen unabh\u00e4ngige Bewertungen <\/em><\/strong><strong><em>und<\/em><\/strong><strong><em> LPAC-Genehmigungen aus, um Fairness bei Continuation Funds sicherzustellen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath:<\/em><\/strong> Man muss die Rechte und die Zusammensetzung des Limited Partner Advisory Committee im Einzel-fall genau pr\u00fcfen. Welche Befugnisse hat es \u00fcberhaupt, und wer sitzt dort? Eine Fairness Opinion oder ein unabh\u00e4ngiges Bewertungsgutachten ist eine sinnvolle Minimalvoraussetzung, ersetzt aber kei-nen echten Marktpreis. Es gibt durchaus Continuation Vehicles, bei denen GPs sich aktiv Marktpreise einholen und eine echte Markttransaktion erw\u00e4gen. Dort haben Sie als Investor deutlich mehr Vertrauen, dass der Preis real ist, statt nur theoretisch hergeleitet. Erst wenn ein GP tats\u00e4chlich Marktangebote einholt, gewinnt der Preis an Glaubw\u00fcrdigkeit.<\/p>\n<p><strong><em>Beobachten<\/em><\/strong> <strong><em>Sie<\/em><\/strong> <strong><em>eine<\/em><\/strong> <strong><em>wachsende<\/em><\/strong> <strong><em>Nut-<\/em><\/strong><strong><em>zung NAV-basierter Finanzierungen <\/em><\/strong><strong><em>zur<\/em><\/strong> <strong><em>k\u00fcnstlichen<\/em><\/strong> <strong><em>IRR-Verbesserung? <\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Christoph Gort:<\/em><\/strong>\u00a0Der Zweck muss genau gepr\u00fcft werden. Eine \u00f6konomisch sinnvolle Add-on-Investition, die dem Portfoliounternehmen tats\u00e4chlich hilft, ist etwas grundlegend anderes als eine rein kosmetische Verbesserung von Kennzahlen wie der IRR. Sobald der Eindruck entsteht, dass es nur um Kosmetik oder um die Verschie-bung von Auszahlungen zulasten anderer Investoren geht oder gar darum, Ausz\u00fcge an den GP zu finanzieren, sind wir \u00e4u\u00dferst skeptisch. Investoren m\u00fcssen sich als Teil ihrer Sorgfaltspflicht sehr genau informie-ren, welcher konkrete Zweck hinter einer solchen Finanzierung steckt, bevor sie zustimmen.<\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath:<\/em><\/strong> Man sollte dabei aber auch die andere Seite sehen: NAV-basierte Finanzierungen er\u00f6ffnen durchaus auch neue Investmentm\u00f6glichkeiten. Es gibt inzwischen spezialisierte Kreditmanager, die eigene Fonds f\u00fcr NAV-Lending aufle-gen, mit unterschiedlichen Risikoprofilen. Einige davon finden wir durchaus interes-sant, und unsere Kunden sind dort auch investiert. Entscheidend ist auch hier, genau zu verstehen, wof\u00fcr das Kapital verwendet wird und wie die eigene Position in der Kapi-talstruktur dadurch ver\u00e4ndert wird.<\/p>\n<p><strong><em>Wie<\/em><\/strong> <strong><em>hat<\/em><\/strong> <strong><em>sich<\/em><\/strong> <strong><em>die<\/em><\/strong> <strong><em>Performancepr\u00e4mie von<\/em><\/strong> <strong><em>Private<\/em><\/strong> <strong><em>Equity<\/em><\/strong> <strong><em>gegen\u00fcber<\/em><\/strong> <strong><em>Public <\/em><\/strong><strong><em>Markets<\/em><\/strong> <strong><em>in<\/em><\/strong> <strong><em>den<\/em><\/strong> <strong><em>vergangenen<\/em><\/strong> <strong><em>drei<\/em><\/strong> <strong><em>Jah-<\/em><\/strong><strong><em>ren entwickelt?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath:<\/em><\/strong> \u00dcber lange Zeitr\u00e4ume ist die Liquidit\u00e4tspr\u00e4mie intakt und zeigt eine klare Outperformance gegen\u00fcber b\u00f6rsennotierten<br \/>\nM\u00e4rkten. In den vergangenen drei Jahren gilt das nicht, weil die \u00f6ffentlichen M\u00e4rkte deutlich schneller gestiegen sind. Die Bewertungen im Privatmarktziehen naturgem\u00e4\u00df mit einem gewissen Abstand nach. \u00dcber Zehn- oder 15-Jahres- Zeitr\u00e4ume ist die Pr\u00e4mie aber weiterhin<br \/>\nevident. Und genau dieser l\u00e4ngere Horizont ist f\u00fcr institutionelle Investoren ohnehin die relevantere Perspektive, weil sie in der Regel nicht nach drei Jahren aus einem Engagement aussteigen, sondern langfristig planen und entsprechend investieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong><em>Christoph Gort:<\/em><\/strong> Man vergisst schnell, wie lange auch \u00f6ffentliche M\u00e4rkte schwache Phasen durchlaufen k\u00f6nnen. Zwischen 2000 und 2010 waren Aktienrenditen \u00fcber die gesamte Dekade negativ, in Japan dauerte es nach 1989 \u00fcber 30 Jahre, bis die Verluste aufgeholt<br \/>\nwaren. Das interessiert heute kaum noch jemanden. Bei Private Equity gab es viele gute Jahre und jetzt eben eine herausfordernde Phase. Aber die Chancen stehen gut, dass wieder bessere Jahre folgen. Jede Anlageklasse hat ihre schwierigen Dekaden, das sollte man nicht \u00fcberbewerten.<\/p>\n<p><strong><em>Schrumpft<\/em><\/strong> <strong><em>die<\/em><\/strong> <strong><em>Illiquidit\u00e4tspr\u00e4mie strukturell,<\/em><\/strong> <strong><em>weil<\/em><\/strong> <strong><em>so<\/em><\/strong> <strong><em>viel<\/em><\/strong> <strong><em>Kapital<\/em><\/strong> <strong><em>in<\/em><\/strong> <strong><em>Pri-<\/em><\/strong><strong><em>vate<\/em><\/strong> <strong><em>Markets<\/em><\/strong> <strong><em>geflossen<\/em><\/strong> <strong><em>ist?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath: <\/em><\/strong>Wir sehen kein gene-relles strukturelles Schrumpfen. Richtig ist, dass hohe Einstiegspreise, etwa im Vintage-Jahrgang 2021, k\u00fcnftige Renditen d\u00e4mpfen, und dass in stark umk\u00e4mpften Segmenten wie Large Cap Buy-outs die Pr\u00e4mie unter Druck steht. Im Lower- und Mid-Market existiert sie unver\u00e4ndert. Zudem zeigen unsere j\u00e4hrlichen Vergleiche von rund tausend Portfoliounternehmen mit ver-gleichbaren b\u00f6rsennotierten Firmen, dass Private-Equity-Gesellschaften operativ tat-s\u00e4chlich st\u00e4rker wachsen. Die Pr\u00e4mie ist also mehr als reines Financial Engineering.<\/p>\n<p><strong><em>Wie<\/em><\/strong> <strong><em>wichtig<\/em><\/strong> <strong><em>ist<\/em><\/strong> <strong><em>die<\/em><\/strong> <strong><em>Managerselektion<\/em><\/strong> <strong><em>in einem<\/em><\/strong> <strong><em>Umfeld<\/em><\/strong> <strong><em>mith\u00f6herem<\/em><\/strong> <strong><em>Spread<\/em><\/strong> <strong><em>zwi-<\/em><\/strong><strong><em>schen<\/em><\/strong> <strong><em>Top-<\/em><\/strong> <strong><em>und<\/em><\/strong> <strong><em>Bottom-Quartil?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Christoph Gort:<\/em><\/strong> Entscheidend, w\u00fcrde ich sagen. Bei einem Aktien-ETF sind die Konsequenzen einer durchschnittlichen Wahl gering, bei einem schwachen Private-Equity-Manager dagegen erheblich. Viele Investoren verbringen zu viel Zeit mit der Frage, ob sie vier oder 4,5 Prozent Pri-vate-Equity-Allokation w\u00e4hlen sollen, und zu wenig Zeit mit der eigentlichen Umset-zung. Gerade weilder Wettbewerb zwischen den Anbietern so intensiv ist, entscheidet die Selektion dar\u00fcber, auf welcher Seite des Medians man landet. Und rechnerisch ist immer eine H\u00e4lfte entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p><strong><em>Der<\/em><\/strong> <strong><em>Secondaries-Markterreichte<\/em><\/strong> <strong><em>2025 <\/em><\/strong><strong><em>rund<\/em><\/strong> <strong><em>226<\/em><\/strong> <strong><em>Milliarden<\/em><\/strong> <strong><em>US-Dollar.<\/em><\/strong> <strong><em>Wie <\/em><\/strong><strong><em>nachhaltig<\/em><\/strong> <strong><em>ist<\/em><\/strong> <strong><em>dieses<\/em><\/strong> <strong><em>Wachstum?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath:<\/em><\/strong>\u00a0Grunds\u00e4tzlich sehen wir das positiv. Der Secondaries-Markt ent-wickelt sich weiter und \u00f6ffnet sich l\u00e4ngst nicht mehr nur f\u00fcr klassisches Private Equity Buy-out, sondern zunehmend auch f\u00fcr Credit-, Infrastruktur- und Venture-Capi-tal-Secondaries. Wahrscheinlicher als eine gerade Aufw\u00e4rtslinie ist eine wellenf\u00f6r-mige Entwicklung, aber grunds\u00e4tzlich ist das ein n\u00fctzliches zus\u00e4tzliches Instrument der Portfoliosteuerung. Beim Aufbau eines Private-Equity-Portfolios, der ja naturgem\u00e4\u00df lange dauert, helfen Secondaries, schneller Exposure aufzubauen, und am Ende helfen sie, gezielt \u00dcbergewichtungen zu trimmen. Das Pricing ist allerdings deutlich gestiegen, sodass Secondaries l\u00e4ngst nicht mehr die Schn\u00e4ppchen-Opportunit\u00e4t von fr\u00fcher sind und Selektivit\u00e4t wichtiger wird.<\/p>\n<p><strong><em>F\u00e4llt<\/em><\/strong> <strong><em>das<\/em><\/strong> <strong><em>verf\u00fcgbare<\/em><\/strong> <strong><em>Dry<\/em><\/strong> <strong><em>Powder <\/em><\/strong><strong><em>erstmals unter das j\u00e4hrliche Transaktionsvolumen? Droht eine Liquidit\u00e4tsengpasssituation?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath:<\/em><\/strong> Einen echten Liquidi-t\u00e4tsengpass sehe ich nicht, wahrscheinlicher ist eine Verschiebung von einem Verk\u00e4u-fer- zu einem eher ausgeglichenen Markt, bei der die Preise etwas nachgeben und dadurch wieder attraktiver f\u00fcr opportunis-tisches Kapital werden. Es flie\u00dft ohnehin laufend neues Geld nach: Neue Fonds wer-den aufgelegt, und zunehmend flie\u00dft auch Evergreen-Retail-Kapital in den Secon-dary-Markt, weil er einen schnellen Weg zu Exposure ohne lange Ramp-up-Phase bietet. Auf der K\u00e4uferseite gibt es dabei zwei Gruppen: strategische K\u00e4ufer, die den Markt zur Portfoliosteuerung nutzen, und opportunistische K\u00e4ufer, die gezielt auf attraktive Discounts warten. Steigen die Preise wieder, zieht das genau diese opportunistischen Investoren zur\u00fcck in den Markt.<\/p>\n<p><strong><em>Wie<\/em><\/strong> <strong><em>unterscheiden<\/em><\/strong> <strong><em>sich<\/em><\/strong> <strong><em>die<\/em><\/strong> <strong><em>Dynami-ken<\/em><\/strong> <strong><em>im<\/em><\/strong> <strong><em>Secondaries-Markt<\/em><\/strong> <strong><em>zwischen <\/em><\/strong><strong><em>Private Equity, Credit<\/em><\/strong> <strong><em>und Venture <\/em><\/strong><strong><em>Capital?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath:<\/em><\/strong>\u00a0Private-Equity-Secon-daries sind mit Abstand der reifste und liquideste Teilmarkt mit dem gr\u00f6\u00dften Transaktionsvolumen. Credit und Infra-struktur folgen, Venture-Secondaries bleiben dagegen ein sehr spezialisiertes Seg-ment mit teils extrem gro\u00dfen Discounts. Die Kluft zwischen den Preisvorstellungen von Verk\u00e4ufer und K\u00e4ufer ist dort deutlich ausgepr\u00e4gter als in anderen Segmenten. Ein gr\u00f6\u00dferer Discount ist gleichzeitig eine Wachstumsbremse f\u00fcr die Marktliquidit\u00e4t. Je kleiner er wird, desto liquider wird der Markt insgesamt. Noch einmal zum eingangs angesprochenen Thema \u201eDemokratisierung\u201c. Wie bewerten Sie grunds\u00e4tzlich die \u00d6ffnung von Private Markets f\u00fcr Privatanleger?<\/p>\n<p><strong><em>Christoph Gort:<\/em><\/strong> Der zentrale Punkt l\u00e4sst sich eigentlich in einem Satz zusammenfassen: Die \u00d6ffnung an sich ist gut, aber sie muss transparent erfolgen. Der Wunsch, ein breiteres Publikum an den Renditechancen von Private Markets teilhaben zu lassen, ist legitim und volkswirtschaftlich nicht falsch. Entscheidend ist, dass Anleger tats\u00e4chlich verstehen, was sie kaufen, insbesondere in Bezug auf Illiquidit\u00e4t, Laufzeiten und die Anreize der Vertriebspartner, die diese Produkte an den Mann bringen.<\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath:<\/em><\/strong>\u00a0Aus institutioneller Sicht ziehen wir dennoch klare Grenzen. Wir raten dazu, m\u00f6glichst nicht im selben Segment wie Retailanleger zu investieren \u2013 und schon gar nicht im selben Vehikel. Weil dort ein anderer Investitionsdruck herrscht und sich Preise in weniger attraktive Regionen verschieben k\u00f6nnen. Dann entsteht schnell ein Wettlauf um Exits oder R\u00fccknahmen, in den unsere institutionellen Kunden nicht hineingezogen werden wollen. Da wir uns \u00fcberwiegend im Lower- und Mid-Market bewegen, \u00fcber-schneiden wir uns ohnehin selten mit den gro\u00dfen Retailvehikeln, die eher am obe-ren Marktende operieren. Im Gegenteil: Wenn Marktteilnehmer quartalsweise kau-fen m\u00fcssen, ist das f\u00fcr kleinere Fonds sogar eine zus\u00e4tzliche Exit-Route, von der unsere Kunden profitieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong><em>Erf\u00fcllen Evergreen- und semiliquide Strukturen<\/em><\/strong> <strong><em>tats\u00e4chlich<\/em><\/strong> <strong><em>das<\/em><\/strong> <strong><em>Liquidit\u00e4ts-<\/em><\/strong><strong><em>versprechen,<\/em><\/strong> <strong><em>das<\/em><\/strong> <strong><em>sie<\/em><\/strong> <strong><em>Privatanlegern <\/em><\/strong><strong><em>machen?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath:<\/em><\/strong> Wie bereits gesagt: Das Versprechen funktioniert nur in guten Marktphasen zuverl\u00e4ssig, in einem schwie-rigen Szenario nicht. Das ist keine Frage der Produktqualit\u00e4t, sondern eine strukturelle Eigenschaft illiquider Basiswerte, die sich mit noch so ausgefeilten Fondskonstruk-tionen nicht vollst\u00e4ndig aufl\u00f6sen l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong><em>Christoph Gort:<\/em><\/strong> Hinzu kommt eine zeitliche Dimension, die selten klar kommuniziert wird. Die tats\u00e4chliche Liquidit\u00e4t einer solchen Struktur h\u00e4ngt von der Marktsituation ab, nicht vom Produktversprechen selbst. Bei Sonnenschein funktioniert eine R\u00fccknahme meist reibungslos, bei Regen eben nicht. Das ist den Anlegern oft nicht in einer Form vermittelt worden, die sie wirklich verstehen konnten. Dabei geht es nicht um eine Schuldfrage, sondern um Transparenzund um die Anreizstruktur der Vertriebspartner, die das Produkt an den Mann bringen. Der Begriff \u201esemiliquide\u201c suggeriert eine Liquidit\u00e4t, die es im Ernstfall nicht gibt. Ist das ein Etikettenschwindel?<\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath:<\/em><\/strong> Der Begriff ist tats\u00e4chlich ungl\u00fccklich gew\u00e4hlt. Semiliquide klingt nach einem Mittelweg, den es bei Liquidit\u00e4t schlicht nicht gibt. Entweder ist sie da oder nicht. In guten Marktphasen mag die versprochene Liquidit\u00e4t gew\u00e4hrleistet sein, in einem schwierigen Szenario eben nicht. Das Wort suggeriert etwas, das strukturell nicht gehalten werden kann.<\/p>\n<p><strong><em>Christoph Gort: <\/em><\/strong>Interessant ist, dass Strukturen, die sich 2008 als h\u00f6chst problematisch erwiesen haben, heute wieder Anklang finden. Individuell lernen wir aus Fehlern, kollektiv offenbar weniger ger gut. Genau deshalb ist Transparenz so wichtig, damit sich dieselben Fehler nicht wiederholen.<\/p>\n<p><strong><em>Sehen<\/em><\/strong> <strong><em>Sie<\/em><\/strong> <strong><em>Anzeichen<\/em><\/strong> <strong><em>von<\/em><\/strong> <strong><em>Selbst\u00fcber-<\/em><\/strong><strong><em>sch\u00e4tzung<\/em><\/strong> <strong><em>bei<\/em><\/strong> <strong><em>institutionellen<\/em><\/strong> <strong><em>wie <\/em><\/strong><strong><em>privaten<\/em><\/strong> <strong><em>Investoren<\/em><\/strong> <strong><em>in<\/em><\/strong> <strong><em>der<\/em><\/strong> <strong><em>aktuellen <\/em><\/strong><strong><em>Private-Markets-Euphorie?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Christoph Gort:<\/em><\/strong> Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung ist zutiefst menschlich und in Private Mar-kets nicht st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt als anderswo. Was ich aber beobachte: Viele Investoren untersch\u00e4tzen, wie gro\u00df die Renditedis-persion zwischen den Managern ist. Dabei gilt schlicht: Wenn die Selektion gelingt, ist das hervorragend. Gelingt sie nicht, wird es teuer. Bei den Anbietern selbst w\u00fcrde ich eher nicht von Overconfidence sprechen, sondern von Anreizstrukturen. Niemand vermarktet sich als unterdurchschnittlich.<\/p>\n<p><strong><em>Wenn<\/em><\/strong> <strong><em>Sie<\/em><\/strong> <strong><em>beiden<\/em><\/strong> <strong><em>Anlegergruppen<\/em><\/strong> <strong><em>einen <\/em><\/strong><strong><em>Rat f\u00fcr die<\/em><\/strong> <strong><em>n\u00e4chsten zw\u00f6lf Monate <\/em><\/strong><strong><em>geben m\u00fcssten: Wo liegt das gr\u00f6\u00dfte <\/em><\/strong><strong><em>untersch\u00e4tzte<\/em><\/strong> <strong><em>Risiko?<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Alex Koriath: <\/em><\/strong>Ich traue mir nicht zu, das eine gr\u00f6\u00dfte Risiko zu benennen, der wichtigste Hebel liegt jedoch in der Port-foliokonstruktion. Diversifikation \u00fcber GPs, Vintage-Jahrg\u00e4nge, Sektoren und Regionen hinweg bleibt entscheidend, das muss man wirklich durchdenken. Bleiben Sie kritisch, laufen Sie nicht dem letzten Trend hinterher und nicht dorthin, wo bereits sehr viel Kapital hingeflossen ist. Versuchen Sie eher, antizyklisch zu blei-ben. Und ganz wichtig: Investieren Sie die n\u00f6tige Zeit in die Due Diligence am Anfang und bringen Sie dann die Geduld auf, mit diesem GP zw\u00f6lf bis 14 Jahre zusammenzuarbeiten. Einen Fehler im Nachhinein \u00fcber den Secondary-Markt zu korrigieren, ist teuer.<\/p>\n<p><strong><em>Christoph Gort:<\/em><\/strong> Das gr\u00f6\u00dfte Risiko ist ein Portfolio, das einen im ung\u00fcn-stigsten Moment zu Zwangsverk\u00e4ufen zwingt. Genau das hat in jeder gro\u00dfen Krise die gr\u00f6\u00dften Verluste verursacht. Die beste Vorbeugung ist, ein Portfolio auf Basis mehrerer plausibler Szenarien zu bauen, statt sich auf ein einziges fest-zulegen. Dann wird man auch Phasen \u00fcberstehen, in denen andere unter Druck verkaufen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Insitutional Money Interview, Alex Koriath und Christoph Gort &#8211; 2026 Zu viel Kapital trifft auf zu wenige gute Deals, warnen Alex Koriath und Christoph Gort von Cambridge Associates im Interview. 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